Montag, 9. Juli 2018

Neue Brexit Tagebuch Satire: ...Das nördliche Breitmaulnashorn und der Brexit...


Das nördliche Breitmaulnashorn und der Brexit - ist schon alles verloren?

Sebastian Diecke vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin weiß, wie man scheinbar hoffnungslose Situationen doch noch aus der Malaise herausführt. Dasselbe versucht Premierministerin May, die kürzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel aufforderte, mehr Mut zu zeigen, um die bleiernen Brexit-Verhandlungen in Brüssel zu revitalisieren. 

Die Methoden der beiden Wissenschaftler, Dr. Merkel und Dr. Diecke, sind zwar sehr unterschiedlich, zeigen aber dennoch Ähnlichkeiten. Wohl wissend, dass sich das nördliche vom südlichen Breitmaulnashorn unterscheidet, hat Herr Diecke einen Plan entwickelt, das Aussterben gerade des bedrohten nördlichen Nashorns zu verhindern. Samenproben und bereitstehende Leihmütter (ebenfalls Nashörner natürlich) könnten das finale Ende dieser Gattung mittels In-Vitro-Fertilisation verhindern.

Frau May versucht gleichermaßen, mit Zustimmung von Frau Dr. Merkel, das Königreich, beziehungsweise das Europa, wie wir es kennen, zu retten.

Auch hier droht Frau May und der gesamten Nation Unheil.  Vor allem seit der „Chef “ von Jaguar-(diesmal kein Nashorn) Land Rover, Ralf Speth, in der Financial Times am 5. Juli die voraussichtlichen Brexit-Kosten auflistete: £ 1,2 Milliarden an Zöllen, die Gefährdung ganzer Produktionsstätten und £ 80 Milliarden Investitionen könnten der Spezies einer konkurrenzfähigen, britischen Industrieproduktion ein Ende bereiten. 

Doch es kommt noch schlimmer.  Der oberste britische Brexit-Verhandler, David Davies, verabschiedete sich bereits aus der Verantwortung, ebenso Boris Johnson, einer der Wortführer der Brexiteers. Die „special relationship“ zwischen dem Königreich und den USA wird dem öffentlichen Hohn mit einer in luftiger Höhe schwebenden Karikatur von Donald Trump preisgegeben, und die deutsche Kanzlerin sitzt auf einer Koalitionszeitbombe. 

Bei all dem würden auch keine bei Minus 369 Grad Celsius gefrorenen Blastozyten aus Brüssel, London oder Berlin helfen, den Brexit künstlich zu befruchten. Kurz, die Sache spitzt sich rasant zu, und die Überlebenschancen der nördlichen Breitmaulnashörner und der Brexiteers sinken.  So bleibt am Schluss noch die Hoffnung auf den WM-Fussballtitel: England wird Weltmeister...aber vielleicht ohne Regierung? 

Ronald Blairstone, Sussex

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Sonntag, 20. Mai 2018

BCCG Kolumne - Von Meghan lernen

Es war ein Feuerwerk der brillantesten Sketchschreiber des Königreiches im Endspurt vor DER Hochzeit. Die bitterböse Channel4 Comedy The Windsors https://youtu.be/ubvmfwgi0Ng  ließ keinen noch so unappetitlichen Joke einer völlig dementen Königsfamilie aus. Die FT am 19.Mai spulte sich sogar noch über die hohen Toilettenkosten (£ 20 000) für die 2 800 Gäste vor dem Windsor Castle auf.

Aber dann kam alles anders als antizipiert. Der Grund war ein amerikanischer Bischof, Michael Curry.  Aber wer ist dieser Mann?   Diese Frage zu beantworten bemühten sich alle TV Kommentatoren noch bevor sie gestellt wurde. Die Ratlosigkeit einiger Gäste in St. Georges Chapel war dafür Ausschlag. Obwohl im Protokoll nachzulesen, ging es hier nicht um Fakten, denn der von Prinz Harry and Prinzessin Meghan zur Hochzeit eingeladene Reverend und amerikanische Bischof war lang genug angekündigt.  Es war seine Predigt, die mehr eine nachdenkliche Rede war, die für Erstaunen sorgte. Fiel sie doch aus dem gewohnt gesetzten Rahmen der Church of England.

Plötzlich sprach hier ein Gottesmann von Sklaverei, Liebe, die Macht der Liebe und u.a. Martin Luther King.  Es ging um das gegenseitige Verstehen, um Herrschaftsgeschichte und die Überwindung von Machstrukturen.  Ohne Frage wusste der Mann wovon er redet, schließlich stammt Meghan Markle aus seiner Familie von ehemaligen Sklaven.  Der Bischof schaffte was vor der Zeremonie kaum einer für möglich hielt: Er vermittelte eine Botschaft und erheiterte die Kirchenbesucher, führte sie zusammen ohne Multikulti-Gerede, ohne erhobenen Zeigefinger.

So wurde die Hochzeit zu einem Wendepunkt für das Königreich und seine Bewohner, obwohl Prinz Phillip garstig dreinschaute und Camilla alle Schalter im Kopf eingeschaltet hatte, aber trotzdem kein Licht erkennbar war.

Doch was macht den point of no return deutlich?  Das Koenigshaus verliess, eher ohne eigenes dazutun, das 20. Jahrhundert. Meghan steht, vielleicht nur wie Diana in ihren letzten Jahren, für "the most important influencer“ des royalen Betriebs. Style, Humor und Modernität eines neuen Anfangs.

Mögen die britischen Politikmandarine bei den EU Brexit Verhandlungen etwas davon lernen.  Für die Königsfamilie und das gesamte Land wurden mit der Hochzeit neue Maßstabe und Aufgaben gesetzt.

George Winterfield
BCCG.de

Montag, 16. April 2018

BCCG Pressemitteilung



Studie zum Brexit: Deutsche Wirtschaftsunternehmen rechnen mit hartem Brexit, die Bevölkerung erwartet hingegen weichen Brexit

·       43 Prozent der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG rechnen mit einem Bedeutungsverlust der EU nach dem Brexit – unter der deutschen Bevölkerung glauben dies nur 27 Prozent
·       73 Prozent der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG erwarten Schäden für die deutsche Wirtschaft
·       Spannende Podiumsdiskussion: Ohne jeden Zweifel wird der BREXIT stattfinden. Es geht um Kompromisse, nicht Rosinenpickerei. Beide Seiten wissen:  es gibt eine Zeit nach den BREXIT, in der werden wir wieder aufeinander angewiesen sein. Das sollte allen deutlich vor Augen stehen. Es wird jeder Federn lassen. Natürlich muss sich die Wirtschaft auf potentielle negative Folgen vorbereiten. Aber auch dabei gilt der Blick nach vorne.
Less than one year to go: Der Brexit-Countdown läuft! Doch im gleichen Maß wie es immer weniger Tage bis zum 29. März 2019 sind, steigt die Zahl der Fragen im Zusammenhang mit dem EU-Austritt der Briten und die Details, die geregelt werden müssen, immer weiter. Fakt ist: Die Brexit-Gespräche werden alle beschäftigen: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – und die Einschätzungen zum Brexit weichen stark voneinander ab. Die britische Regierung ist allein aus innenpolitischen Gründen nicht dazu in der Lage, konkretere Vorschläge für die künftigen Beziehungen zu machen. Was tun?  Die EU muss, wie die Briten auch, flexibel auf das reagieren was zur Verhandlung steht. Daher ist eine andere Verhandlungsführung der EU, mit Unterstützung der Wirtschaft und eigenen Vorschlägen notwendig, um potentielle Schäden für die politischen und Wirtschafts-Beziehungen zu minimieren.
Das zeigen auch die Ergebnisse der aktuellen Studie zum Brexit. Ein Kernergebnis: Die Sicht der deutschen Bevölkerung und der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG auf die Frage „Rechnen Sie mit einem weichen oder harten Brexit?“ unterscheiden sich stark voneinander. Rechnen die Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG mehrheitlich (55 %) mit einem hartem Brexit (weicher Brexit 40 %; Rest keine Angabe), erwartet über die Hälfte der deutschen Bevölkerung (53 %) hingegen einen weichen Brexit (harter Brexit: 38 %; Rest keine Angabe). Die Studie wurde auf der Veranstaltung „Brexit – Mehr Fragen als Antworten“ von forsa, KPMG AG, OMFIF, BCCG und Open Europe Berlin am 11. April vorgestellt.

Deutsche Bevölkerung viel entspannter als die Wirtschaft
Die unterschiedliche Wahrnehmung zeigt sich auch bei der Sicht auf die Folgen des Brexits: 73 Prozent der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG gehen davon aus, dass der Austritt Großbritanniens der Wirtschaft in Deutschland schaden wird. Nur jeweils 13 Prozent erwarten keinen oder sogar einen positiven Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Unter der Bevölkerung in Deutschland erwarten dagegen nur 33 Prozent negative Folgen für die deutsche Wirtschaft – 15 Prozent gehen von positiven und 41 Prozent von keinen Folgen aus. Die Sicht der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG auf die Folgen des Brexits ist insofern besonders relevant, da 52 Prozent der befragten Unternehmen angeben, dass die Geschäftstätigkeit ihres Unternehmens mit bzw. in Großbritannien in den letzten fünf Jahren gestiegen ist.
Deutsche Wirtschaft sieht Bedeutungsverlust für die EU
Mit Großbritannien verlässt zum ersten Mal in der Geschichte der EU ein Land das Staatenbündnis. Mit dem Blick auf die Frage „Was bedeutet das für den Einfluss und die Bedeutung der EU?“ rechnen unter den Bundesbürgern insgesamt 27 Prozent damit, dass die EU ohne Großbritannien künftig an Einfluss und Bedeutung verlieren wird. Unter den Wirtschaftsvertretern und Mitgliedern der BCCG gehen sogar 43 Prozent von einem Bedeutungsverlust der EU ohne Großbritannien aus.

Ansprechpartner

Für KPMG: Oliver Dörfler, Country Practice Head UK,
odoerfler@kpmg.com

Für forsa: Dr. Peter Matuschek, Leiter Politik und Sozialforschung,
peter.matuschek@forsa.de

Für Open Europe Berlin: Prof. Michael Wohlgemuth, Direktor,
michael@openeuropeberlin.de

Für British Chamber of Commerce in Germany (BCCG e.V.): Andreas Meyer-Schwickerath, Direktor and Mitglied des Vorstands
, info@bccg.de

    

Prominente Gegner und Befürworter des Brexits diskutieren Chancen und Risiken auf Berliner Konferenz
Der Brexit und seine Folgen für Europa und die deutsche Wirtschaft war auch ein zentrales Thema der Veranstaltung „Brexit – Mehr Fragen als Antworten“ am 11. April. Und das Interesse daran war groß: Vor über 60 Gästen sprachen der ehemalige britische Außenminister und Brexit-Befürworter Lord David Owen sowie Sir Ivan Rogers, ehemaliger EU-Botschafter des Vereinigten Königreichs und bekennender Brexit-Gegner, über den Austritt der Briten. Während Lord Owen die immense Bedeutung des britischen Marktes für die deutsche Wirtschaft hervorhob, verband Sir Ivan Rogers seine Forderung an die EU-Verhandlungsführer, mehr auf England zuzugehen, mit der Warnung an die englische Regierung, dass die Verhandlungen mit der EU in jedem Fall noch Jahre dauern werden.
Im Zentrum der Podiumsdiskussion mit prominenten Vertretern aus Wirtschaft und Fernsehen standen ebenfalls die Auswirkungen des Brexits für Europa und die deutsche Wirtschaft. Die Kernaussagen:
„Die grundsätzlichen Einstellungen der Deutschen zum Brexit haben sich in den letzten beiden Jahren trotz der schwierigen Verhandlungen nicht verändert:  Wie 2016 bedauert eine Mehrheit unverändert den beschlossenen Austritt der Briten, und eine noch größere Mehrheit steht unverändert fest zur Mitgliedschaft Deutschlands in der Europäischen Union.“
Dr. Peter Matuschek, Leiter Politik- und Sozialforschung, forsa GmbH
„Die deutsche Politik muss noch stärker als bisher die Interessen der deutschen Wirtschaft vertreten.  Handel und Investitionen zwischen Deutschland und UK sind nachhaltig bedroht.  Deutsche Firmen planen auf jeden Fall für den schlimmsten anzunehmenden Fall, den „Hard Brexit“, hoffen aber für das Beste.“
Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business, KPMG AG
„Politik muss sich stärker engagieren und darf es nicht der EU Kommission alleine überlassen, hier Vorschläge zu machen. Die wichtigen Partner in der EU, dazu gehören auch die Wirtschaftsvereinigungen und Verbände wie die BCCG, müssen und werden sich über die Ziele zu den künftigen Handels- und politischen Beziehungen einigen, pragmatische Kompromissvorschläge machen.  Es geht um unser aller Zukunft.“
Michael Schmidt, Präsident, BCCG e.V.


Über die Studie:
Für die Studie wurden insgesamt 1.021, nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte, Bürger ab 18 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland befragt.
Die Erhebung wurde vom 8. bis 15. März 2018 mit Hilfe computergestützter Telefoninterviews durchgeführt. Die Untersuchungsbefunde werden in einem Ergebnisbericht vorgestellt.
Die ermittelten Ergebnisse können lediglich mit den bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/- 3 Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übertragen werden.
Parallel zur repräsentativen Bevölkerungsbefragung in Deutschland wurde auch ein Stimmungsbild unter Mitgliedern bzw. Partnern der British Chamber of Commerce in Germany ermittelt. Dazu wurden im Rahmen einer Online-Befragung zwischen dem 5. und 26. März 2018 insgesamt 255 Mitglieder bzw. Partner der BCCG befragt.


Montag, 9. April 2018

BCCG Satirische Kolumne Brexit Tagebuch: Königreich im BREXIT - Zuckerschock?


Königreich im BREXIT - Zuckerschock?

Am 6. April dieses Jahres war‘s dann soweit: Schluss mit Lustig und Süß. Der Fettleibigkeit und Diabetes, sowie den damit verbundenen verheerenden Wirkungen, wurde der Kampf im Königreich angesagt.  Eine neue Zuckersteuer auf Soft Drinks trat in Großbritannien in Kraft.  Die schlimmen Effekte übermäßigen Zuckerkonsums kosten dem Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) geschätzte £ 6,1 Mrd. jährlich.  Mehr als 8 Gramm Zucker pro Liter Getränk werden nun mit zusätzlich bis 24 Pence auf den Verkaufspreis der Zuckerwasser bestraft.  Außerdem, das weiß jeder der einmal Urlaub in Wales machte, bewirkt der übermäßige Zuckergenuss plus fehlender Zahnarztbehandlung unschöne Menschen und Mäuler.

Aber Briten reagieren empfindlich auf Steuererhöhungen oder gar auf die Neueinführung von Steuern.  Allein die Drohung mit der Zuckersteuer sorgte bereits im Vorfeld für Unruhe. Schon in den vergangenen 4 Wochen vor dem April Termin wurden auffällig viele PKW vor Supermärkten mit hunderten von Cola- und Ribena-Flaschen beladen.  Die Gefahr bald mit weniger Zucker und gute Laune zu haben wurde zu Recht hoch eingeschätzt.  Ebenfalls bemerkenswert waren die auf diesen Fahrzeugen angebrachten Aufkleber: BREXIT-YES, oder EUROPE – get off.  Das kann aber ein Zufall gewesen sein, denn natürlich gibt es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und BREXIT. Oder doch? 

Dem Kolumnisten dieser Zeilen fiel auf, das zeitgleich mit der neuen Zuckersteuer das sog. „Arab Atheist Network“ die Nachricht einer angeblich sensationellen Entdeckung verbreitete.  Die dort gemachte Aussage im Kern: Königin Elisabeth II sei in der Erbfolge im 14 Jh. mit Fatima, der Tochter des moslemischen Propheten, in Spanien verwandt.  Der Economist reagierte rasch, fragte, ob die Queen eine Kalifen Königin, Elisabeth of the Al Windsor clan, ist.
Ist das vielleicht auch eine Erklärung für das gesteigerte Interesse am Islam von Prinz Charles (bin Philip)?  Schwer zu sagen.  Aber es wurde der Verdacht geäußert, das sowohl im Königshaus, wie auch in arabischen Kreisen, übermäßig viel Zucker bei den Mahlzeiten zum Einsatz kommt.

George Winterfield
BCCG.de

Donnerstag, 8. März 2018

BCCG Kolumne Brexit Tagebuch - The Shape of Brexit




The Shape of Brexit

Hätte nicht gerade erst Liam Fox, International Trade Secretary - von The Telegraph wird Fox  „Brexit poster boy“ genannt - die immensen Vorteile eines EU Austritts gelobt, wären diese Zeilen kaum notwendig. Aber weil er das tat und außerdem die Oscar-Verleihung gerade stattfand, sollen hier einige Worte zu beiden Ereignissen verloren werden. Denn der Zusammenhang zwischen dem Brexit und dem als besten Film ausgezeichneten Shape of Water ist offensichtlich.

Die Handlung von Shape of Water ist einfach und romantisch-banal. Ein puddingartiges Gewächs aus teuflischen Chemielaboratorien verliebt sich in die Putzfrau der industriellen Anlage. Die Engländerin Sally Hawkins aus dem kleinen London Vorort Dulwich spielt die Reinigungskraft.  Um sie herum geistern zahlreiche septische Wissenschaftler und viel Hightech. Sally aber erkennt gemeinsam mit dem Monster, was wirklich zählt:  einzig die Liebe.  Ohne jede Frage ist der Film eine Metapher auf den Brexit.

Liam Fox ist ein Bürokrat. Seine Schilderungen vom EU befreiten Königreich nach dem Brexit wecken Schlaraffenland-Illusionen. Keine Gängelung mehr durch Brüssel, der Weltmarkt wartet nur auf die britischen Offerten des Finanzmarktes, die Wissenschaften blühen, die Welt hofft also auf einen entfesselten und boomenden britischen Kapitalismus und Handel, der gemeinsam mit China die Weichen eines stetig prosperierenden Wachstums voran bringt.  Tatsächlich aber fragt auch diese Kolumne, in welchem Land lebt Dr. Fox, welches Land meint er?

Nehmen wir nun einmal an, Sally Hawkins repräsentiert im Film Theresa May und nehmen wir weiter  an, Dr. Fox spiegelt die Meinung und Gemütslage von Frau May, dann bleibt für den außenstehenden Beobachter nur die folgende Schlussfolgerung möglich:  Großbritannien muss raus aus der EU! Nur so wird dem britischen Volk Glück und Wohlstand möglich sein.

Aber der Oscar ausgezeichnete Film macht es uns nicht so einfach. Denn wollen wir nicht alle ein friedliches und humanes Zusammenleben, eben nicht nur als Beobachter, sondern aktive Mitspieler? 

Auch das hat Hollywood bedacht und zeichnete zwei weitere Referenzpunkte britischer Geschichte aus: Winston Churchill mit dem grandiosen Gary Oldman und Dunkirk, beides britische Dauerthemen. Letztgenannter Film stellt die mutige Evakuierung des Expeditionskorps vor den Nazifeinden dar.  Beide  Produktionen verweisen darauf, dass das Ende der Fahnenstange beim Brexit noch nicht erreicht ist. Mut und Courage, siehe Churchill, können eine scheinbar besiegelte Niederlage in einen Sieg verwandeln.  Und damit, so meint dieser Kolumnist,  schließt sich der Kreis zu dem Hollywood Film: Three Billbords Outside Ebbing.  Hier zeigt sich,  was eine Frau - eben keine Theresa May - erreichen kann, wenn sie bereit ist, das Schicksal mit Mut und Kraft in die eigenen Hände zu nehmen.  Dieser Film war leider keine britische Produktion. Das darf man positiv vermerken.

George Winterfield

BCCG.de


Pressemitteilung: Firmen und Mitglieder der BCCG fürchten zunehmend einen harten Brexit


Firmen und Mitglieder der BCCG fürchten zunehmend einen harten Brexit.  

Die Unsicherheit über den Ausgang der Brexit - Verhandlungen zwingt Unternehmen inzwischen dazu, bei allen Planungen von worst case Annahmen auszugehen.


In einer Konferenz der British Chamber of Commerce in Germany zu Rechtsfragen im Zusammenhang mit dem Brexit diskutierten ca. 70 Rechtsexperten aus Unternehmen und Kanzleien über die rechtlichen Implikationen des Brexit für deutsche Unternehmen und dessen Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung. Anwesend waren u.a. Vertreter der Automobilindustrie, von Banken und Versicherungen, industriellen Dienstleistern und aus der pharmazeutischen Industrie.

Nach einem Jahr der Verhandlungen sind wesentliche Probleme des Brexit nach wie vor nicht gelöst. Offen ist, welche Kompromisse von den Parteien noch eingegangen werden, um Handel, Industrie und Finanzdienstleister im Interesse von Arbeitsplätzen und Kosten so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Im Gegenteil. Die Unsicherheit über den Ausgang der Verhandlungen ist inzwischen sogar gewachsen. Die Problematik liegt wie immer im Detail. Und die Probleme treten jetzt in der zweiten Phase der Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich, bei denen es um die Umsetzung der Brexit-Entscheidung geht, in besonderem Masse zu Tage. Beiden Seiten ist insofern daran gelegen, zunächst einmal Zeit zu gewinnen. Deshalb wird es voraussichtlich eine Übergangsperiode bis zum 31. Dezember 2020 geben, in der Großbritannien noch weiter Mitglied des Binnenmarktes bleibt und in der das gesamte EU-Recht auch weiter für Großbritannien Geltung behält.

Wegen der gestiegenen Unsicherheit des Ausgangs der Verhandlungen richten sich Unternehmen schon heute im Rahmen ihrer Planung zunehmend darauf ein, dass spätestens nach 2020 jedenfalls eine Situation eintritt, bei der sich die Regeln für den Handels- und Rechtsverkehr mit Großbritannien grundsätzlich ändern. Weil die dafür zu treffenden Vorsorgemaßnahmen viel Zeit in Anspruch nehmen, bleibt den Unternehmen nichts Anderes übrig, als im Zweifel vom worst case, also einem harten Brexit auszugehen.

Mit Keynote-Vortrag von MdB Prof. Dr. Heribert Hirte und zwei Paneldiskussionen unter Moderation von Dr. Jens Rinze LL.M. (SquirePattonBoggs) und Dr. Stefan Kraus (Andersen Tax&Legal) hat die Veranstaltung diese gegenwärtigen und zu erwartenden künftigen Entwicklungen in Folge des Brexit näher beleuchtet.  Vorbeugende rechtliche Maßnahmen sind möglich und geboten, um rechtliche Risiken zu minimieren. So werden Verträge durch besondere Klauseln ergänzt, Lieferketten analysiert und geändert, sowie Niederlassungen oder Produktionsstätten bereits jetzt im jeweils anderen Land begründet, um die Präsenz vor Ort und damit den Marktzugang zu gewährleisten.

Allerdings: wie realistisch ist diese Risikovorsorge in Anbetracht der politisch schwachen Koalitionsregierung in London? Es wurde über die Möglichkeit einer Änderung der Mehrheitsmeinung in Großbritannien diskutiert, aber letztlich ist dies Spekulation und der harte Brexit derzeit die einzige planbare Variante künftiger Beziehungen zwischen EU und UK.

Andreas Meyer-Schwickerath, Geschäftsführer, BCCG


Dr. Stefan Kraus, Partner, Andersen Tax&Legal, Chairman der BCCG Brexit Expert Group Legal Issues

Donnerstag, 22. Februar 2018

BCCG Kolumne Brexit Tagebuch


Brexit Is - What Brexit Does

Im Gegensatz zu den meisten Nachrichtenmedien hat dieser Kolumnist das Privileg, sein Herrschaftswissen hier darzulegen. Genauer gesagt, wo und wie die Road to Brexit sich im layout des Europäischen Kontextes, zukünftig gestalten wird.

Den Schlüssel zu diesem Wissen lieferte David Davis kürzlich mit einer Rede in Wien zum Thema: Delivering our Future Economic Partnership. Dort legte er überraschenderweise auch dar, was das Vereinigte Königreich zukünftig nicht sein möchte, nämlich ein Land, das „…plunged into a Mad Max style world borrowed from dystopian fiction.”

Um dieses D’Day Szenario richtig zu verstehen, um zu dechiffrieren was David Davis meint, müssen wir genauer auf den Klassiker des Endzeit-Film Mad Max schauen.

Da haben wir zuerst einmal den Einzelgänger Max Rockatansky, alias Mel Gibson, im postapokalyptischen Ödland (Australien, heute Belgien). Max wird mit seinem hochgerüsteten Ford Falcon (heute: Mini Cooper/BMW) von den anarchisch und völlig verrohten Warboys (und deren kultisch verehrten Chef-Tyrannen Boris Johnson, Jacob Rees-Moog und Nigel Farage) gefangen. Max befreit sich und schließt sich den NIX an, einer Frauengang aus Angela Merkel, David Davis und Theresa May.

Ziel dieser Gruppe ist es, das „green and pleasant land“ (United Kingdom) zu erreichen, um dort eine neue Gesellschaft nach Jahren der Versklavung und Abhängigkeit, diesmal ohne Aggressionen aus Brüssel und Social Media Attacken, zu errichten. Doch als sie auf der Insel ankommen, ist die Enttäuschung groß. Das erhoffte Paradies ist ein Verkehrschaos mit tausenden von Drohnen, die David Davis unter der Hand in seiner Yorkshire Heimat schon 2019, kurz nach dem vollzogenen Brexit in großer Auflagenhöhe verkaufte.

Dennoch siegt Mad Max mit seiner GLBT Gruppe, allerdings ohne Angela Merkel und Mr Davis. Mit einem stillen Gruß verabschiedet sich Max Rockatansky und verschwindet im Sonnenuntergang. Nach Wochen erreicht er Brüssel, rasiert sich und tritt nun, unbemerkt von der europäischen Öffentlichkeit, unter dem Namen Günter Oettinger mit einem geschätzten Monatsgehalt von knapp 25. 000 Euro auf. 

Alle Meldungen darüber, dass Mad Max II – Der Vollstrecker in der Hauptrolle David Davis zeigt, sind als fake news zu bewerten.
Autor: Robert Peacock
www.bccg.de



Mittwoch, 7. Februar 2018

Wer beendet die Brexit Verhandlungen, Theresa May oder Jacob Rees - Moog?

Der britische Independent enthüllte, kaum dass das neue Jahr anfing, was ohnehin schon alle wussten - die Tories sind hoffnungslos veraltet und haben den Eintritt ins 21. Jahrhundert komplett verpasst.  Für eine solche Meldung sollte man diese Zeitung nicht kritisieren, denn die meisten Zeitungen schreiben ja genau das, was ihre Leser ohnehin schon wissen. Wer immer noch Zeitungen abonniert, möchte sowieso nur seine eigene Meinung am Morgen bestätigt finden, keine ärgerlichen Kommentare oder Artikel konsumieren müssen.
Mit der Tory Partei sieht es oberflächlich betrachtet ähnlich aus.  Die Mitgliederzahl ist inzwischen auf geschätzte 70 000 Mitglieder geschrumpft, davon sollen, nach einer Aussage des politischen Tory Urgesteins Ken Clark,  60% über 65 Jahre alt sein. Zweidrittel wiederum davon sind Männer, die sich gern ihre Intelligenz gegenseitig vorführen.  Kein Wunder also, dass die Attraktivität dieser Partei bei den 20-jährigen gegen Null tendiert.  
Die Konservativen vermeiden seit fünf Jahren Mitgliederstatistiken zu veröffentlichen.  Verständlich allemal. Nur Pensionäre wollen einer Partei beitreten, die in ihrer Mehrheit im Rentenalter ist.  Ist das jetzt  Altersdiskriminierung?  Bei weitem nicht, es ist allein eine Feststellung. In Deutschland, wie überhaupt Europa kennt man das Problem. Die inkontinente Vergreisung des Kontinents nimmt zu.
Es gibt Berichte von konservativen Parteitagen der Tories, bei denen mehr Werbung für Hörgeräte als PR für die Partei gemacht wird.
Auch Theresa May bleibt vom Alter nicht verschont.  Ihr fast erschreckend vorgebeugter Gang bei den grausam frühmorgendlichen Brüsseler Brexit Gesprächen kurz vor Weihnachten war nicht nur das Ergebnis der politischen Last auf ihren Schultern.  Bedenklicher erscheint politischen Beobachtern die Tatsache dass mehr als die Hälfte der noch aktiven Konservativen für die Einführung der Todesstrafe sind.
Fast zeitgleich mit dem „Blutmond“ kürzlich, verstärkten sich die Gerüchte, dass ein 49jähriger, 1.92 m hagerer Senkrechtstarter und potentieller Nachfolger der Premierministerin, Jacob Rees Moog, die Parteibühne für sich in Anspruch nimmt.
Der „britischste aller Briten“ trat im Alter von 5 Jahren den Tories bei, las ab dem 10. Lebensjahr die FT. Dass er sechs Jahre später bereits seinen eigenen Hedge Fond betrieb, ist nicht verifizierbar.  Der stramme Brexit - Befürworter und strenge Katholik, sagen einige der Konservativen, könnte die Partei wieder zusammen führen. Seine Gegner sehen aber bereits die Tory Partei zu einer Sekte von Ewiggestrigen schrumpfen. Da hilft dann auch kein Churchill Film mehr, in dem Gary Oldman den knurrigen Premier spielte. Jacob Rees-Moog reicht heute allemal als Kasperlefigur. 

Autor: Robert Peacock

Freitag, 19. Januar 2018

BCCG Kolumne: BCCG Brexit Tagebuch


Sphinxe und Rätsel


In der FAZ vom 16. Januar schrieb Gina Thomas im Feuilleton einen bemerkenswerten Artikel über die Premierministerin, Frau Theresa May, der überschrieben ist mit "Sphinx ohne Geheimnis". So lesenswert der Artikel auch ist, wird hier vor allem auf die Überschrift Bezug genommen. 

Diese ist eine Reminiszenz an Oscar Wildes "Picture of Dorian Gray", wo der scharfsinnige Lord Henry Wotton von einer Frau herausgefordert wird: Beschreiben Sie uns als Geschlecht! Worauf hin er ohne Umschweife antwortet: Sphinxe ohne Geheimnisse. Wenn man bedenkt, dass die Sphinx aus dem Altertum jeden verspeiste, der ihr berühmtes Rätsel nicht lösen konnte, werden Frauen hier generell zu Bestien, die den tapferen Mann, der sich ihrer Herausforderung stellt, untergehen lässt. Das wird der holden Weiblichkeit sicher nicht gerecht. Trotzdem: Ein wunderbares bon mot, für das Oscar Wilde neben vielen anderen dieser Art zu Recht berühmt wurde - und ist! 

Ein Gegengewicht, um fair zu bleiben, kommt von William Shakespeare, der den Herren der Schöpfung wenig charmant unterstellt: "Sigh no more, ladies, sigh no more, men were deceivers ever, one foot in sea and one on shore, to one thing constant never!" 

Ob Frau May als vermeintliche Sphinx allerdings solche Gesellen wir Boris Johnson oder Lord Hammond verschlingen kann, bleibt fraglich, um nicht zu sagen: zweifelhaft, hätte sie es doch sicher längst getan wenn sie's vermochte. Immerhin, George Osborne, Rätsel oder nicht, konnte die Herausforderung nicht lösen. 
Es scheint, dass die Ergründung des Charakters von Frau May in fundamentaler Schwierigkeit jener von Frau Merkel nicht nachsteht. Die vielen verzweifelten Versuche kommen dem bekannten Versuch gleich, Wackelpudding an die Wand zu nageln (womit nichts über über die physischen Eigenschaften besagter Damen gesagt sein soll). Die Damen bleiben also höchstselbst ein Rätsel.
Daher: Es lebe das Matriachart, welches unaufhaltsam auf uns zurollt: Merkel ist "Mutti", eine Koseform, die allerdings Frau May in diesem Leben niemals anfliegen wird, so viel ist sicher, wenn ein Journalist sie schon als "Maybot", in Anlehnung an einen Roboter, bezeichnet. Maybot, or maybe not: lässt Euch nicht verschlingen, Kinder! 

George Winterfield
BCCG.de

Freitag, 12. Januar 2018

BREXIT Tagebuch - Kolumne der BCCG


Brexit, Orangen, Cheese und Churchill – Europas dunkelste Stunde

Der Angriff deutscher Bomber auf London 1940 zur Jahreswende (The Blitz), war in der Tat ein finsterer Tag für die Briten. Der Verlust der britischen Kontrolle über Indien 1948 und der Rückzug britischer Truppen vom Suezkanal, das alles liegt den Menschen des Vereinigten Königreiches noch immer schwer im Magen.

Kein Wunder also, dass nun, gut ein Jahr vor dem Brexit, zu den letzten wirklich scharfen Waffen der Verteidiger Großbritanniens gegriffen wird. Und genau deshalb wird der 10. Januar 2018 in die englische Geschichtsschreibung eingehen.

Denn an diesem kalten und nebeligen Januartag eilte eine mutige Delegation der „Leave Means Leave Campaign“ mit Lord John Longworth als Speerspitze sowie UKIP Mitglied Mr. Woolfe zum Treffen der Europäischen Kommission mit Michael Barnier nach Brüssel.

Im Gepäck der Pro Brexit Streiter fanden sich einige Mitbringsel, die den zutiefst französisch fühlenden Gourmet Herrn Barnier in schwere Irritationen versetzte.  In einem Geschenkkorb, auch Fresskorb genannt (bei Arbeitsjubilaren immer wieder gern verschenkt), überreichten die Herren aus London edle Waren an den europäischen Feind.

Darin enthalten waren:

+ Eine komplette Shakespeare-Ausgabe
+ Ein Glas (200 Gramm) Marmite+ Teebeutel (100 Stueck) von PG Tips+ 200 Gramm Cheddar Käse (angeblich von Marks & Spencer, aber hier sind die Quellen  
   ungenau)
+ Ein Glas Orangenmarmelade (rough cut, natürlich)+ Eine Flasche englischen Pinot Noir (das wird Herrn Barnier sehr geärgert haben)
+ Eine Flasche Hendrick‘s Gin (ungekühlt)

Dieser so eiskalt vorgetragene Frontalangriff auf die Geschmacksnerven des Herrn Barnier soll dennoch die gewünschte Wirkung verfehlt haben. Herr Barnier nahm die Gaben an, ging aber sofort zur Tagesordnung über und verlangte erneut von den Briten Euro 52 Mrd. Rückzahlung an die EU.  Aus internen Quellen stammt die Information, dass Herr Barnier den Fresskorb mit dem Fuß unter den Verhandlungstisch trat. „So ein minderwertiger Mist kommt mir nicht ins Haus“, will ein Reporter der Daily Mail von Barnier gehört haben.

Eine andere Information erhielt der Verfasser dieser Kolumne von einem Mitarbeiter des EU- Haushaltskommissars Günther Oettinger, einst ein Jemand in Baden-Württemberg, heute irgendwie in Brüssel.  Dem fiel sofort, in Anbetracht der in Plastik und Cellophan verpackten englischen Delikatessen, die Einführung einer europäischen Plastiksteuer ein.  Mal eben so als Strafe für den ganzen Verpackungsmüll und eben zur Kompensation der zukünftig fehlenden EU Beiträge aus London.  

Nebenbei ließe sich erwähnen, dass die britischen Demissionäre kurz nach der Geschenkübergabe an den EU Brexit CEO Barnier im heftigen Streit übereinander herfielen.  Denn der Lord John Longworth hatte auf dem Marmeladenglas entdeckt, dass die Orangen darin aus Spanien kamen, der Dorset Käse mit Milch aus Holland hergestellt wurde.

Die EU Pressesprecherin war zu einem Kommentar zu unserer Kolumne leider nicht erreichbar.


Abs. Robert Fortesworth, www.BCCG.de, 12. Januar 2018

Donnerstag, 28. Dezember 2017

BREXIT TAGEBUCH - Brussels Sprouts


Brussles Sprouts und Brexit

Um die Ambivalenzen der britischen Seele zu begreifen, deren Feinkostverhalten und politische Sensibilität zu verstehen, muss man die Eigenheiten der britischen Küche untersuchen.
Der britische Außenminister Robin Cook erklärte 2001 Chicken Tikka Masala zum Nationalgericht. Das war ein politisch hochbrisanter Schritt. Denn kaum hatte er es gesagt, fielen die Fish & Chips Traditionalisten über ihn her, beschuldigten ihn gar des Landesverrats.
Noch schroffer ging es in der Weihnachtszeit mit einem anderen Gourmetprodukt zur Sache- dem Rosenkohl, auf Englisch Brussels Sprouts. Nein, eben nicht "Brussel Sprouts" wie Unwissende immer wieder behaupten.


Um die Dimension des laufenden „Brussels Sprouts Scandal“ zu erfassen und zu verstehen, müssen die YOUGOV Statistiken zu Rate gezogen werden. Hier die Fakten:
+ 62% der Briten futtern zu Weihnachten Rosenkohl. Die Gesamternte täglich ab dem 1. Dezember: 150 Tonnen.
+  Am 25.12, Christmas Day, konsumieren die Briten 105 Million Rosenkohl als Beilage zum Braten, welcher Art auch immer.
+ Rosenkohl dient mit pflanzlichem Eiweiß der Stärkung unserer Abwehrkräfte und ist dazu noch preiswert.
Neben den politischen Implikationen für den damaligen Labour Außenminister Cook geriet der kleine Kohlkopf 2016 wieder in den Fokus einer fast neuen Irlandkrise.  Ein trockener Sommer machte den britischen Landwirten zu schaffen; der weihnachtliche Rosenkohl musste aus nun Irland importiert werden. Demzufolge hieß er Irish Brussels Sprouts.


Die Verwirrung unter den Käufern war groß. War das wieder ein Komplott der EU Bürokraten? Europa-Skepsis wurde erneut angeheizt.
Kaum ein Jahr später- nunmehr war London bereits in den Brüsseler Post-Brexit Verhandlungen verstrickt- begannen vor einigen Wochen britische Supermärkte mit einer raffinierten Offensive des britischen Selbstbewusstseins: Statt Brussels Sprouts wurden nun British Sprouts angeboten und gekauft.  Der Slogan "Buy British" beförderte einen gewissen Stolz.


Der Wirtschaftswissenschaftler 
Dr Jon Seaton, von der Loughborough University fand zudem heraus, britische Sprouts seien besser und billiger als die Sprout Importe aus Holland oder Frankreich. Einräumen musste er allerdings, dass Brussels Sprouts in einigen Luxusgeschäften in Kensington für ca. Euro 13.00 pro Kilo verkauft werden.
Der Blick in die Zukunft verspricht dennoch einigen etwas Hoffnung: mit vollzogenem Brexit sollen die Rosenkohlpreise sogar noch gesenkt werden. Ist das aber nun ein Argument für die British Sprouts? Die ultimative Antwort darauf kann die traditionelle Kohlfahrt der BCCG  hoffentlich im Februar liefern.


Admiral van Pommeroy


Freitag, 8. Dezember 2017

BREXIT TAGEBUCH - Irish Sea


Brexit and Fish & Chips - Irish sea is the source for many fish ending up in nasty cooking jars…


Die irische See zwischen Großbritannien und Irland hat nach dem letzten Verhandlungsmarathon in Brüssel eine besondere Bedeutung: sie ist die Außengrenze der EU.

Die irische See hat nun bekanntermaßen einen großen Fischreichtum. Dieser Fisch, der dort vieltausendfach gefangen wird, die beliebte Scholle, wird besonders gerne in London und überall in Großbritannien und in Irland sowie Nordirland, nach einer alten Tradition, gegessen. Nämlich nach einer Ummantelung mit Bröseln und der Prozedur des Frittierens zusammen mit Kartoffelchips als Fish & Chips.

Damit kommt der in Irland und Großbritannien so beliebten Scholle im Nationalgericht Fish & Chips (!) auch eine neue Rolle zu. Ist das nicht ein Grund diesen Fisch, dem es jetzt, wie sollte man sagen: an die Kiemen geht, neu zu regeln?

Nun wäre das ganz einfach auch in Zukunft, man könnte man den trilateralen Fischhandel ja weiter betreiben, wäre da nicht die EU Grenze dazwischen. So würde künftig ja der Fisch, je nach Verlauf der Grenze, entweder auf der irischen Seite (mit der durchlässigen Grenze nach Nordirland), oder auf der britischen Seite (Wales, England und Schottland angrenzend) gefangen. Das hieße aber, dass die genaue Lokation für die Zollbehörden wichtig würde, je nach Standort entweder einen Export oder Import in das oder aus dem jeweils anderen Gebiet zugrunde zu legen.

Damit müsste der Fisch dann den Zollbehörden vorgelegt werden, entweder in Irland, Nordirland oder in Wales, England oder Schottland, und die müssten dann entscheiden, welchen Zollsatz sie für den Handel zugrunde legen.

Das ist aber bei Fisch nicht so einfach. Der schwimmt ja mal unter der Grenze links oder rechts herum, schert sich nicht um Brüssel und denkt auch gar nicht daran, überhaupt gefangen zu werden. Wird er aber doch erwischt, muss jetzt der Fischer feststellen – wo war er denn gleich, oder - frei nach Loriot – wo schwimmen sie denn hin?

Wir sehen schon die Auswirkungen: nicht nur, dass das ganze länger dauert und die Frische des Fisches von Stunde zu Stunde des Verhandelns abnimmt, nein, die Grünen werden ein Fest daran finden, die übelriechenden Abgase einzufangen, solange der Fisch noch in der EU ist (bei Großbritannien ist das ja nach dem Austritt nicht so sicher – da können sich die Gerüche dann frei -aber nur auf deren Gebiet!- verbreiten). Und die Briten sind ja hart im Nehmen. Schließlich wissen sie: der Fisch stinkt zuerst vom Kopf her. 

Brüssel wird sich also mit Theresa May bald darüber unterhalten, wie man möglichst den Fisch und die Kartoffeln für die Chips zur Vermeidung weiterer Verteuerung und übelriechender Abgase, ausnimmt von jeglichen Zollgrenzen. Just-in-time-delivery wäre dann gewährleistet, wenn vernünftig verhandelt wird. Ist das noch vor dem Austritt der Briten zu schaffen? Zumindest bis dahin ist jedenfalls der Fisch noch frisch und das Nationalgericht Fish & Chips noch nicht durch billigere Ersatz-Fische aus britischen Hühnchen ersetzt…

Lady Molesworth

Mittwoch, 6. Dezember 2017

BREXIT TAGEBUCH: Ein Hauch von Nordkorea über dem Brexit?

Das Vereinigte Königreich gibt dem Kreis der vertrauteren Beobachter immer wieder Rätsel auf. Nein, nicht die Meldungen zu Harry’s bevorstehender Hochzeit (eine Vermählung wie in den  Paradise Papers) mit Meghan Markle.  Das sind ja ohnehin nur die Königreichmeldungen die wir als Leser am ehesten goutieren. Wen interessieren da noch die vermuteten Steuerhinterziehungen von Prinz Charles und der Queen?

Ansonsten ist die Nachrichtenlage aus London’s Tower of Power doch eher mager.  Frau Mays Feststellungen, dass die Insel auch nach den Brexit geografisch noch immer zu Europa gehört, lassen selbst die Sodoku verwöhnten, anglophilen Leser mit einem Gähnen zurück. Wenn es denn stimmt, dass Gott die Welt in 6 Tagen erschuf, seinerzeit ohne Einmischung von Brüsseler EU Administratoren, fällt aktuell beim Tempo der Verhandlungen und der Kakophonie aus Westminster und Brüssel auf; Gott war selbst analog noch schneller als die Verhandelnden heutzutage. 

Nun aber scheint über Brüssel und London ein Hauch von politischer Erleuchtung aus (seltsamerweise) Nordkorea zu helfen. Liegt hier gar die Erlösung von den kaum noch erklärlichen Brexit Verhandlungen ohne Brexit Bauchlandung?   

Kurz: die Befürchtungen sind groß und finster. Könnte der Brexit gar zu einem neuen Bürger/Handels/Sektenkrieg zwischen Nord-und Süd-Irland führen?  Niemand weiß das.  Deutlich ist aber: In Nordkorea sind politische Entscheidungen einfacher, schneller zu finden.  Einige sagen auch, nordkoreanische Friseure könnten das Post-Brexit Grenzproblem zwischen Irland und GB mit einer Art von Demarkationslinie temporär lösen.  Das sind aber Spekulationen.

Aber wir wissen: der begehrte Kurzhaarschnitt des Herrn Kim Jong Un beeindruckte selbst Donald Trump.  Der weiß zwar nicht so genau wo Irland und Nordkorea geografisch liegen, ist aber ein Freund des irischen Whiskeys, exotischer Frisuren und starker Worte.

Der fernöstliche Trend zeigte bereits Folgen. Die Hippster im Trendsetter Bezirk von London Kensington gehen in die lokalen Barber Shops die den inzwischen „Yong Un - hair cut“ offerieren. Warum also nicht auch mal ein neues Styling für Theresa May, Herrn Barnier oder Herrn Juncker?

Hier tun sich völlig neue Perspektiven in Sachen Brexit auf. Würden die Briten das postkoloniale Commonwealth mit Nordkorea auf 55 Länder erweitern, stünde einem Freihandelsabkommen (wie auch der Erweiterung des Spielerkaders in der  Premier League) mit Pjöngjang wenig im Wege.  Von der Gruppe der fundamentalistischen Kreationisten aus Belfast in Frau Mays Koalitionsregierung würde das sicher begrüßt werden.
Admiral van Pommeroy

Freitag, 17. November 2017

BCCG Pressemitteilung Brexit

Pressemitteilung 


BCCG Rhein-Main - Frank Scheidig - Stephan Mayer MdB

15. November 2017

Wirtschaft, Finanzsektor und Politik: Gemeinsam gegen einen harten Brexit



Frankfurt / Berlin. Warum die aktuellen Verhandlungsbarrieren zwischen dem Vereinigten Königreich (VK) und der Europäischen Union (EU) gelöst werden müssen und wie die zukünftigen deutsch-britischen Beziehungen
aussehen könnten.

Die fünfte Runde der Austrittsverhandlungen mit dem Vereinigten Königreich (VK) nach Artikel 50 EU-Vertrag fand Anfang Oktober 2017 statt.

Nennenswerte Fortschritte konnten bisher nur in den Bereichen der Bürgerrechte und der Grenzregelung zur Republik Irland / Nordirland erreicht werden. EU-Verhandlungsführer Barnier formulierte hingegen erst kürzlich einen merklichen Stillstand, was den finanziellen Ausgleich anbelangt. Zudem ist bislang völlig offen, wie die Handelsbeziehungen zwischen dem VK und der Europäischen Union (EU), zwischen dem VK und der Bundesrepublik Deutschland aussehen sollen und werden.

Vor diesem Hintergrund hat die britische Handelskammer in Deutschland (British Chamber of Commerce in Germany, BCCG) in Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden der Deutsch-Britischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, Stephan Mayer MdB, zu einer hochrangig besetzten Konferenz in die DZ BANK AG nach Frankfurt am Main eingeladen. Zu den Diskutanten zählten unter anderem Iain Begg, Professor am European Institute der London School of Economics, Lord Meghnad Desai, Member of the House of Lords, Silvia Schmitten-Walgenbach, Vorstandsmitglied von Barclays in Frankfurt, Michael Schmidt, Präsident der BCCG
und ehemaliger CEO von BP Europa SE sowieJoachim Würmeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank.


Die rund 50 anwesenden Experten stimmten darin überein, dass bis zur erneuten Prüfung der Verhandlungsfortschritte auf dem Europäischen Rat (ER) am 14./15. Dezember ein „no-deal“-Szenario mehr als realistisch zu sein scheint. Dies gilt es aber umso mehr und mit allen bilateralen Mitteln zu verhindern: Für die knapp 3,3 Millionen EU-Staatsangehörigen, die aktuell im VK leben, oder auch mit Blick auf beispielsweise die rund 21 Milliarden Euro, die jährlich von der deutschen Automobilindustrie in das VK fließen. Außerdem würde das „worst-case-scenario“
nicht nur einschneidende Auswirkungen auf für die deutsch-britischen Wirtschafts-, Handels- oder Wissenschaftsbeziehungen haben, sondern auch massiven Einfluss auf den globalen Raum der über 38 weltweiten Finanz- und Handelspartner des VKs nehmen.

Aufgrund fehlender rechtlicher Rahmenbedingungen und mangelndem Einigungswillen werden sich zukünftige Investitionen im britischen Raum drastisch reduzieren, Zölle wiederum den Warenverkehr erheblich erschweren. Einigkeit bestand auch in der Einschätzung, dass aus dem Brexit resultierende Standortvorteile für Deutschland und insbesondere Frankfurt zwar zu begrüßen sind, das Augenmerk jedoch primär auf eine für alle Parteien akzeptable Lösung gerichtet bleiben sollte. Die zentrale Forderung der Konferenzteilnehmer war: Rhetorische Barrieren müssen zugunsten aller Verhandlungspartner dringend überwunden werden, um eine drohende „loose-loose“-Situation zu verhindern. Es sei nicht geholfen, die Debatte ausschließlich um einzelne Beträge für die sogenannte "Schlussrechnung" an die Briten kreisen zu lassen.

Die Teilnehmer der Konferenz konnten sich in ihrem Bestreben nach einem sachlichen Diskurs nach den abschließenden Worten von Stephan Mayer auch von der Politik in Berlin unterstützt sehen, denn klar ist: Das VK muss Partner Deutschlands und der EU bleiben. Der Übergang muss in einem geregelten Verfahren und zu gerechten Bedingungen vereinbart werden, denn der Brexit wird kommen. Am Cliff-edge sollte am Ende niemand stehen - weder das VK noch die EU.

Frank Scheidig                       Stephan Mayer, MdB                                 
Chairman                                 Vorsitzender
BCCG Region Rhein-Main 
          Deutsch-Britische Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag
info@bccg.de