Donnerstag, 16. Januar 2020

Konferenz der BCCG zu den Auswirkungen des Brexits auf den Finanzplatz London

Die Konversation britischer Spitzenpolitiker kann sehr unterhaltsam sein. Sie müssen lediglich aus unterschiedlichen politischen Lagern stammen. Ein Glanzstück dieser Art des Diskurses wurde den Teilnehmern der heutigen Konferenz im Haus der Commerzbank am Pariser Platz geboten. Thematisch ging es darum, wie sich der Brexit auf den Finanzstandort London auswirkt.

Es diskutierten der Bankingprofi David Marsh CBE, der Finanzmarktkenner Markus Schmucker von Squire Patton Boggs, Adam Marshall - Generaldirektor der British Chamber of Commerce, Baroness Kishwer Falkner vom House of Lords und der ehemalige Europaminister Denis MacShane. Da David Marsh relativ schnell das Podium verlassen musste, um mit EasyJet nach London zu fliegen, hatten die anderen Panelisten für die nötige Würze zu sorgen. Der ehemalige Labour-Politiker Denis MacShane schlug sich dabei wacker und sezierte Boris Johnson mit treffsicherer Ironie. Die Baroness vom House of Lords fand das despektierlich und konterte mit festem Blick. Sie war gar nicht erfreut über "the language Denis describes the prime minister" (die Sprache, mit der Denis den Premierminister beschreibt).

Spinner und Außenseiter

Dass in Großbritannien politisch korrekte Formulierungen nicht so hoch im Kurs stehen, zeigt auch eine Stellenanzeige, die Downing Street 10 herausgebracht hat. Man suche "Spinner und Außenseiter", die sich um das Thema Brexit kümmern. Mit unflexiblen Schmalspurdenken, sei solch eine Aufgabe nicht zu bewältigen. Um weiteres Öl ins Feuer zu gießen, holte Denis MacShane sein Buch mit dem schönen Wortspieltitel "Brexiternity" heraus. Als Berliner könnte man darauf aufsetzen und ein Buch mit dem Titel "BERwigkeit" schreiben- wenn das Thema BER inzwischen nicht schon so langweilig geworden wäre. Bei langweiligen Themen wie dem Brexit geht die britische Presse inzwischen auch sehr clever vor. Sie überlagert diese einfach mit Schlagzeilen aus dem Königshaus. Das klappt fast immer.

Financial Hub London

Nun aber zum eigentlichen Thema der Konferenz: Die Commerzbank sieht den Brexit sehr kritisch. Falle dadurch doch ein wichtiger europäischer Player aus, mit dem man sich gemeinsam im globalen Wettbewerb gegenüber China und den USA hätte behaupten können. Auch gehe damit die Komponente des britischen Pragmatismus verloren, die eine gute Ergänzung zur deutschen Korrektheit und dem französischen Zentralismus geboten hatte.

Bereits vor zwei Jahren waren über 20 große Finanzgesellschaften aus London abgewandert und haben den Standort geschwächt. London war und ist als Financial Hub für viele internationale Finanzhäuser interessant, weil es das weltweit beste Clearingverfahren für Transaktionen zwischen Banken bietet. Zusammen mit den Folgedienstleistungen macht das Finanzwesen in Großbritannien etwa 11% des Bruttoinlandsproduktes aus.

Stillstand durch Brexiternity

Der "Brexiternity" hat inzwischen einen spürbaren Stillstand in der britischen Wirtschaft erzeugt. Unternehmen besetzen vakante Stellen nicht und warten ab, wie sich die Regeln für Arbeitserlaubnisse gestalten werden. Auch Investitionen sind auf Eis gelegt. Adam Marshall warf ein, dass sich Unternehmen letztlich irgendeinen Weg suchen, um weiter Profit machen zu können - und sei es, dass sie Großbritannien verlassen. Auch Fachkräfte werden einen Weg finden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Letztlich wurde in dieser Konferenz bestätigt, dass seitens der politischen Akteure nicht wirklich etwas für den Brexit vorbereitet wurde. Boris Johnson brachte in seiner kalkuliert flapsigen Art schon Regeln von Cricket und Football an, um sich von altbewährten Regeln des Marktes und der Diplomatie zu lösen. Interessant war, dass die Briten Angela Merkel als verlässlichen Fels in der Brandung Europas ansehen und froh sind, dass sie noch im Amt ist.

Empfang in der Botschaft

Nachdem Baroness Kishwer Falkner noch angebracht hatte, dass Labour immer nur zurückschaut, während die Torys nach vorne schauen, war die unterhaltsame Konferenz beendet. Direkt neben dem Fenster hing die Flagge der amerikanischen Botschaft. Sie wurde nun nicht mehr von der Sonne beleuchtet, sondern von einem Scheinwerfer. Die Teilnehmer begaben sich angeregt plaudernd in die nahegelegene britische Botschaft. Dort gab es den traditionellen Empfang zum Jahresauftakt.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 16. September 2019

David Marsh und die 10 Gebote der deutsch-britischen Zusammenarbeit

David Marsh begleitet die British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) schon lange. Er ist britischer Banker, Journalist und Autor. Er hat mehrere Bücher über den Euro und andere Finanzthemen geschrieben.

Auf der Konferenz zum 100. Geburtstag der BCCG hielt David Marsh eine bemerkenswerte Rede über die Grundprinzipien der deutsch-britischen Zusammenarbeit. Diese kann hier nachgelesen werden:

Text der Rede von David Marsh
Charts zur Rede von David Marsh

Donnerstag, 12. September 2019

Pressestimmen zum Brexit - Unternehmen wollen endlich klare Verhältnisse

Der 100. Geburtstag der British Chamber of Commerce fällt in eine heiße Phase der britischen Politik. Als heiß wird sie wohl hauptsächlich von international agierenden Unternehmen empfunden, die die Unsicherheit um den Brexit-Zeitpunkt satt haben und endlich wieder über ein verlässliches Lagebild zur strategischen Planung verfügen möchten.

Die jüngsten Pressestimmen zum Brexit bestätigen das:


Mittwoch, 11. September 2019

BCCG recommends German companies to look forward and to urgently prepare themselves for the imminent, complex realities

The British Chamber of Commerce in Germany recommends German companies to look forward and to urgently prepare themselves for the imminent, complex realities.


  • Brexit can also offer opportunities for German companies in the long term.
  • Economic relations will remain and may be expanded between Great Britain and Germany.
  • Brexit offers the German economy good cause for readjustment.
  • Collaborations possible in attractive third markets.

The British Chamber of Commerce in Germany - BCCG – has appealed to companies in Germany to understand all relations with Great Britain as an opportunity both immediately and in the long-term, despite many political turbulences.

BCCG President Michael Schmidt explained:

“The economic ties between Great Britain and Germany will remain. Regardless of the option chosen by the United Kingdom, it will remain a significant economic power and an important partner for Germany. Our companies should, therefore, remain calm with regard to existing and future business relations, secure their businesses - as well as they can - and not jump to conclusions. Companies should be flexible. Identify potential for their own business and develop this sustainably.

Attractive third markets

Andreas Glunz, Managing Partner International Business, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, also sees in the whole Brexit debate a “...... positive opportunity to readjust trading relations”.

Although the 2019 German British Business Outlook survey by KPMG and the BCCG shows that around 40 percent of the companies questioned expect Brexit to strongly influence their businesses, “in the other direction this means that Brexit is an appropriate point in time to pause and to radically reassess the focus of UK business”, says Andreas Glunz.

The new focus of one of the largest trading partners of Germany offers German companies the opportunity to approach new collaboration partners, new investment projects and new common market access. In future Great Britain’s new trade agreement with third-party countries, in particular with the USA, could also contribute in the long-term.”

Preparation for uncertain times

The BCCG appeals to companies in Germany to accept Great Britain leaving the European Union and to use the remaining time to prepare themselves for it.

“Many companies continue to be inadequately prepared on several counts for the risks of a probable exit”, says Michael Schmidt.

Under a hard Brexit companies would have to adjust to profound changes and disruptions of at least several months in economic trade with Great Britain.

“Europe’s financial sector will also be faced with substantial challenges in the next few years. In order that this does not result in disadvantages for all market participants and customers, additional costs and does not fragment the market the community of states should swiftly complete its reform project capital market union”, says Stephan Lutz, Partner and Brexit expert at PwC (BCCG Member).

The BCCG member DZ Bank hopes that Great Britain will also continue to participate in European and global sustainability issues after Brexit.

“The European Union and Great Britain will continue to promote the reduction of carbon-dioxide”, explains Frank Scheidig, Global Head of Senior Executive Banking (Member of the Sustainable Finance Committee of the German government). “The British Climate Protection Law will foreseeably remain in effect.”

BCCG President Schmidt urgently appeals:

“The political agony in British Parliament should be overcome as quickly as possible with rationally led debates and decisions. Whether an immediate Brexit, new elections or an extended negotiating scope with the EU, all options require a willingness to compromise and the democratic consensus of all.  It is about a peaceful future in Europe.”

This year the BCCG celebrates 100 years since its foundation. With over 600 member firms and over 4000 contacts it sees itself in the year of Brexit as the mediator among the current concrete problems.

On 12 September 2019 the BCCG is holding a large conference in Berlin on occasion of its anniversary. More details on www.bccg100.de

Contact:
Andreas Meyer-Schwickerath, AMS@bccg.de, +49 (30) 206 70 80
Uwe Westphal, info@uwewestphal.com, +49 (174) 511 1100

BCCG rät dringlich zur Vorbereitung auf die kommenden, komplizierten Realitäten

Britische Handelskammer in Deutschland empfiehlt deutschen Unternehmen Blick nach vorn und rät dringlich zur Vorbereitung auf die kommenden, komplizierten Realitäten.


  • Brexit kann langfristig auch Chance für deutsche Unternehmen werden
  • Wirtschaftsbeziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland bleiben und können ausgebaut werden.
  • Brexit für die deutsche Wirtschaft guter Anlass für Neujustierung
  • Kooperationen auf attraktiven Drittmärkten möglich

Die Britische Handelskammer in Deutschland - BCCG – hat die Unternehmen in Deutschland aufgerufen, alle Beziehungen zu Großbritannien, trotz vieler politischer Turbulenzen, unmittelbar und langfristig als Chance zu verstehen.

BCCG-Präsident Michael Schmidt erklärte:

„Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland werden bleiben. Egal, für welche Option sich das Vereinigte Königreich entscheiden wird, es wird weiterhin eine wesentliche Wirtschaftsmacht und ein wichtiger Partner Deutschlands sein. Unsere Unternehmen sollten daher mit Blick auf vorhandene und künftige Geschäftsbeziehungen Ruhe bewahren, ihr Geschäft – soweit es geht – sichern und keine übereilten Schlüsse ziehen. Die Unternehmen sollten agil sein, Potenziale für das eigene Geschäft identifizieren und diese nachhaltig erschließen.“

Attraktive Drittmärkte

Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, sieht im der gesamten Brexit Debatte auch einen „…guten Anlass zur Neujustierung der Handelsbeziehungen.“

Obwohl die Umfrage des German British Business Outlook 2019 von KPMG und BCCG zeigt, dass rund 40 Prozent der befragten Unternehmen einen starken Einfluss des Brexits auf ihr Geschäft erwarten.  „Im Umkehrschluss bedeutet das: der Brexit ist ein geeigneter Zeitpunkt innezuhalten und die Ausrichtung des UK-Geschäfts grundlegend neu zu beurteilen“, so Andreas Glunz.

Die Neuausrichtung eines der größten Handelspartner Deutschlands bietet deutschen Unternehmen die Chance, neue Kooperationspartner, neue Investitionsobjekte und neue gemeinsame Marktzugänge anzugehen. Hierzu können auch zukünftige neue Handelsabkommen Großbritanniens mit Drittländern, insbesondere den USA, langfristig beitragen.“

Vorbereitung auf ungewisse Zeiten

Die BCCG ruft die Unternehmen in Deutschland auf, sich auf einen Brexit Großbritanniens aus der Europäischen Union einzustellen und die verbleibende Zeit nutzen, um sich darauf vorzubereiten.

„Viele Unternehmen sind auf die Risiken eines wahrscheinlichen, Ausstiegs vielfach weiter unzureichend vorbereitet“, so Michael Schmidt.

Mit einem Hard Brexit müssten sich Unternehmen auf tiefgreifende und zumindest mehrmonatige Disruptionen im Wirtschaftsverkehr mit Großbritannien einstellen.

„Auch auf Europas Finanzbranche kommen in den nächsten Jahren erhebliche Herausforderungen zu. Damit diese nicht nur zum Nachteil für alle Marktteilnehmer und Kunden werden, zusätzliche Kosten verursachen und den Markt fragmentieren, sollte die Staatengemeinschaft ihr Reformprojekt Kapitalmarktunion zügig vollenden“, sagt Stephan Lutz, Partner und Brexit-Experte bei PwC (BCCG-Mitglied).

Das BCCG-Mitglied DZ Bank hofft, dass sich Großbritannien auch nach dem Brexit bei europäischen und globalen Nachhaltigkeitsthemen weiter einbringen wird.

„Die Europäische Union und Großbritannien werden den Abbau von Kohlendioxid weiter vorantreiben“, erklärt Frank Scheidig, Global Head of Senior Executive Banking (Mitglied des Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung). „Das britische Klimaschutzgesetz wird absehbar in Kraft bleiben.“

An die Politik richtet BCCG-Präsident Schmidt den Appell:

„Schnellstens sollte die politische Agonie im britischen Parlament durch vernunftgeleitete Debatten und Entscheidungen überwunden werden. Ob nun ein Brexit, Neuwahlen oder ein verlängerter Verhandlungsspielraum mit der EU, alle Optionen erfordern die Kompromiss-bereitschaft und einen demokratischen Konsens aller.  Es geht um die friedliche Zukunft in Europa.“

Die BCCG begeht in diesem Jahr ihr 100. Gründungsjubiläum. Mit über 600 Mitgliedsfirmen und über 4000 Kontakten sieht sie sich vor allem im Jahr des Brexits als Vermittlerin zwischen den aktuellen Problemstellungen.

Am 12. September 2019 veranstaltet die BCCG anlässlich ihres Jubiläums eine große Konferenz in Berlin. Mehr unter www.bccg100.de

Kontakt:
Andreas Meyer-Schwickerath, AMS@bccg.de, +49 (30) 206 70 80
Uwe Westphal, info@uwewestphal.com, +49 (174) 511 1100

Freitag, 28. Juni 2019

Trade between UK and Germany at 5th rank despite Brexit

Trade between the UK and Germany
The Bundesbank's most recently published revised figures again show the strong bilateral British-German trade to be the fifth largest of all German bilateral trade relationships, after the US, the Netherlands, France and China.

The total bilateral trade including goods and services in 2018 was € 176 bn, slightly down 
by 2.6% from € 181 bn in 2017 due to reduced goods demand in UK, mainly related to Brexit uncertainty. 


Bilateral Trade Details

Trade in Goods
Of the bilateral trade in 2018, total trade in goods alone was € 124 bn, down by 5% from 2017.

UK exports of goods to Germany were at € 40 bn (unchanged from 2017) while  German exports of goods to the UK were at € 84 bn (down by 6.6 % from € 90 bn in 2017). The decrease was mostly said to be due to Brexit uncertainty.

Trade in Services
Total trade in services was € 52.2 bn, up by 3.1 % from 2017.

UK services exports to Germany were at € 25.6 bn. Services exports from Germany to the UK were at € 26.6 bn. 


(Source: Deutsche Bundesbank, Statistics, March 2019, see page 10 ff, please copy in your browser: https://www.bundesbank.de/resource/blob/783456/0e27f56639ae7df1756d2bd7bdc4ed3b/mL/2019-03-zahlungsbilanzstatistik-data.pdf ) 

Andreas Meyer-Schwickerath
BCCG
info@bccg.de

Donnerstag, 28. März 2019

Pressemitteilung zur Brexit-Umfrage: Viele Unternehmen noch nicht vorbereitet - Wesentliche Auswirkungen erwartet


­
  • German British Business Outlook 2019: 40 Prozent der befragten britischen und deutschen Unternehmen prognostizieren wesentliche negative Auswirkungen auf ihr Geschäft
  • Fast die Hälfte der befragten Unternehmen (47 Prozent) zu Beginn des Jahres noch nicht auf den Brexit vorbereitet
  • Zukunftsaussichten sind ambivalent: Unternehmen erwarten Rückgang für die britische Wirtschaftsleistung, aber Wachstum für das eigene Geschäft
  • Großbritannien bleibt auch in Zukunft ein wesentlicher Markt für deutsche Unternehmen und kann Impulse für Forschung und Entwicklung setzen

Berlin, 28. März 2019 – Inmitten der noch immer unsicheren Lage rund um den Austritt Großbritanniens aus der EU stehen viele Unternehmen (47 Prozent, Stand Januar 2019) weiterhin unvorbereitet vor dem – in welcher Form auch immer – anstehenden Brexit. Und das, obwohl rund 40 Prozent der Unternehmen erwarten, dass der Brexit große oder sehr große Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird. Das zeigen die Ergebnisse des German British Business Outlook 2019 (GBBO), der heute vor der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde. Die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat dafür gemeinsam mit der British Chamber of Commerce 101 deutsche Unternehmen mit Konzernzentrale in Großbritannien und britische Unternehmen mit Konzernzentrale in Deutschland befragt.

Ein weiteres Ergebnis: Gesamt betrachtet erwarten 84 Prozent der befragten Unternehmen für 2019 einen Rückgang der britischen Wirtschaftsleistung. „Die British Chamber of Commerce feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Ein langer Zeitraum, in dem der Brexit ein historisches Ereignis und eine Zäsur für beide Seiten des Ärmelkanals darstellt. Dabei ist es enorm wichtig, dass die Zeichen weiterhin auf engen Austausch stehen”, sagt Michael Schmidt, Präsident der BCCG.

Brexit hat wesentliche Auswirkungen – Umsatzrückgänge und administrative Hürden erwartet

Laut Umfrageergebnissen des GBBO 2019 prognostizieren 40 Prozent der befragten Unternehmen große oder sehr große Auswirkungen des Brexit auf ihr Geschäft. Weitere 38 Prozent sagen einen moderaten Einfluss voraus. Die stärksten Auswirkungen des Brexits sehen die befragten Unternehmen im Bereich der drohenden administrativen Hürden (47 Prozent); ebenso viele befürchten einen Umsatzrückgang. Jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) sieht Störungen in den Lieferketten als den am stärksten durch den Brexit bedrohten Bereich. Steigende Zollaufwendungen sind in jedem fünften Unternehmen ein Thema (22 Prozent).

Als Reaktion auf die drohenden Auswirkungen im Worst Case – sprich bei einem Hard Brexit – wollen Unternehmen ihre Planung für Investitionen (35 Prozent), Personaleinstellungen (19 Prozent) und Export-Aktivitäten (16 Prozent) revidieren. 13 Prozent der befragten Unternehmen planen für diesen Fall ihre Aktivitäten nach Deutschland zu verlagern. Eine Verlagerung in andere Länder Kontinentaleuropas überlegen weitere 10 Prozent. Keines der befragten Unternehmen plant, post-Brexit Geschäftsaktivitäten nach Großbritannien zu verlagern.


„Die Umfrage zeigt, dass der Brexit dazu führt, dass die Unternehmen Ihre Geschäftsaktivitäten im Korridor Deutschland-Großbritannien in vielfacher Weise anpassen“, sagt Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. „Deutlich wird auch, dass nach den Banken auch knapp ein Viertel der Unternehmen anderer Branchen planen, ihre Aktivitäten nach Kontinentaleuropa zu verlagern.“

Unzureichende Vorbereitung – Hard Brexit sollte unbedingt vermieden werden

Betrachtet man die Erwartungen der Unternehmen, ist ein weiteres Studienergebnis des GBBO 2019 besonders besorgniserregend: Zum Erhebungszeitraum im Januar 2019 gab noch fast die Hälfte der befragten Unternehmen an, sich bisher nicht auf den Brexit vorbereitet zu haben. Unternehmen, die bereits Vorkehrungen getroffen haben – zum Befragungszeitraum waren es 53 Prozent – haben eine Risikobewertung für ihr Geschäftsmodell durchgeführt. Vor allem durch Umstellung ihrer administrativen Prozesse und durch die Einrichtung einer Brexit-Task-Force ergreifen sie weitere Maßnahmen zur Vorbereitung und für ein nachhaltiges Managen der Auswirkungen.

„Deutsche Unternehmen sind im britischen Markt wirtschaftlich sehr aktiv. Für einen Großteil der deutschen Wirtschaft ist es daher enorm wichtig, dass der Hard Brexit vermieden wird. Auch wenn der Ausgang noch immer unsicher ist, gilt es jetzt das laufende Geschäft durch geeignete Maßnahmen soweit wie möglich abzusichern“, ordnet Andreas Glunz ein.

„Es ist bedauerlich, dass die politische Entwicklung britischen wie auch deutschen Unternehmen wenig Wahl lässt – sie müssen sich auf den Ernstfall vorbereiten. Die bilaterale Wirtschaft hat für die EU eine enorme Bedeutung: Mit allein 650 000 von britischen und deutschen Unternehmen im jeweils anderen Land direkt Beschäftigten führt die gegenwärtige Lage fast zwangsläufig zur größten Krise zwischen der EU und Großbritannien. Die British Chamber of Commerce ruft die politischen Entscheidungsträger dringend dazu auf, die vielschichtigen Verbindungen zum Königreich nicht aufs Spiel zu setzen“, betont Michael Schmidt.

Ambivalente Zukunftsaussichten auf die britische Wirtschaft und das eigene Geschäft

Für den Gesamtblick auf die Zukunft der britischen Wirtschaft zeigt der GBBO, dass die Einschätzungen sehr ambivalent sind. Während 84 Prozent aller befragten Unternehmen einen Rückgang der Wirtschaftsleistung erwarten ­- knapp die Hälfte davon sogar in besonders starker Form - sehen sie die Entwicklung des eigenen Geschäfts weniger düster. Denn 47 Prozent der befragten Unternehmen rechnen für ihr Geschäft mit einem Wachstum, nur 36 Prozent mit einem Rückgang.

Zahlen zu den Post-Brexit-Investitionsgründen zeigen außerdem, dass der britische Markt für deutsche Unternehmen auch künftig wichtig bleiben wird. Denn trotz Ausstiegsplänen und deren Auswirkungen gibt noch immer die Hälfte der befragten Unternehmen an (47 Prozent), auf Grund von Kundennachfrage weiter dort zu investieren. Darüber hinaus wird das Vereinigte Königreich weiter als geschätzter Standort für Forschung und Entwicklung wahrgenommen. Fast alle Unternehmen, die in Großbritannien Forschung betreiben, kooperieren mit Universitäten und großen Technologieunternehmen und schätzen die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Fachkräfte dort.


Über den German British Business Outlook 2019
Für den German British Business Outlook 2019 hat KPMG in Zusammenarbeit mit der British Chamber of Commerce (BCCG) 101 deutsche Unternehmen mit Konzernzentralen in Großbritannien und britische Unternehmen mit der Konzernzentrale in Deutschland zwischen dem 20. Dezember


2018 und dem 25. Januar 2019 zu deren wirtschaftlichen Aussichten und den erwarteten Auswirkungen des Brexit befragt. Dabei fokussiert sich die Studie besonders auf den wirtschaftlichen Blick deutscher Unternehmen in Großbritannien.

Die Studie zum Download finden Sie hier.


Pressekontakte:

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Marita Reuter, Leiterin Unternehmenskommunikation
+ 49 030 2068 1118
 mreuter@kpmg.com

BCCG British Chamber of Commerce in Germany
Andreas Meyer-Schwickerath, Director BCCG
+49 030 206 7080
info@bccg.de

Uwe Westphal
0174 5111100
officewestphal@gmail.com


Donnerstag, 7. März 2019

SHeconomy - International Women's Day - HM Treasury Women in Finance Charter and 60 women working in finance and banking

To mark International Women's Day, BCCG and British Embassy Berlin hosted a panel discussion on gender diversity and the HM Treasury Women in Finance Charter, together with 60 women working in finance and banking. We were joined by two signatories to the Charter, Barclays and Deutsche Bank, who offered their insights alongside HM Treasury.

Thank you to all our speakers and of course the audience for the lively and inspiring discussion on what more we can do to combat gender inequality in this sector.

See you at the next SHeconomy event!


Montag, 28. Januar 2019

‘A nightmare for companies’: President of British Chamber of Commerce in Germany discusses Brexit


BCCG started its 100th anniversary with the BCCG New Year conference in Berlin on Thursday, 24 Jan. 2019:

Brexit was front-and-centre as the British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) celebrated its 100th anniversary in Berlin on Thursday.

BCCG president Michael Schmidt said that Brexit has drawn the German and British business communities closer — one of the few positives in the current climate of uncertainty and anxiety. As Britain’s second-largest trading partner, with bilateral trade topping €180bn (£156bn) in 2017, the relationship between Germany and the UK will remain significantly important post-Brexit.
 Schmidt spoke to Yahoo Finance UK about managers vs. politicians, how the role of the chamber has intensified, and the risk of dangerous “legends” arising around Brexit.

For details, please check out the full interview on Yahoo Finance UK here: 
  https://uk.finance.yahoo.com/news/nightmare-companies-president-british-chamber-commerce-germany-discusses-brexit-060027950.html



www.bccg.de/events
www.bccg.de
Andreas Meyer-Schwickerath

Montag, 9. Juli 2018

Neue Brexit Tagebuch Satire: ...Das nördliche Breitmaulnashorn und der Brexit...


Das nördliche Breitmaulnashorn und der Brexit - ist schon alles verloren?

Sebastian Diecke vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin weiß, wie man scheinbar hoffnungslose Situationen doch noch aus der Malaise herausführt. Dasselbe versucht Premierministerin May, die kürzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel aufforderte, mehr Mut zu zeigen, um die bleiernen Brexit-Verhandlungen in Brüssel zu revitalisieren. 

Die Methoden der beiden Wissenschaftler, Dr. Merkel und Dr. Diecke, sind zwar sehr unterschiedlich, zeigen aber dennoch Ähnlichkeiten. Wohl wissend, dass sich das nördliche vom südlichen Breitmaulnashorn unterscheidet, hat Herr Diecke einen Plan entwickelt, das Aussterben gerade des bedrohten nördlichen Nashorns zu verhindern. Samenproben und bereitstehende Leihmütter (ebenfalls Nashörner natürlich) könnten das finale Ende dieser Gattung mittels In-Vitro-Fertilisation verhindern.

Frau May versucht gleichermaßen, mit Zustimmung von Frau Dr. Merkel, das Königreich, beziehungsweise das Europa, wie wir es kennen, zu retten.

Auch hier droht Frau May und der gesamten Nation Unheil.  Vor allem seit der „Chef “ von Jaguar-(diesmal kein Nashorn) Land Rover, Ralf Speth, in der Financial Times am 5. Juli die voraussichtlichen Brexit-Kosten auflistete: £ 1,2 Milliarden an Zöllen, die Gefährdung ganzer Produktionsstätten und £ 80 Milliarden Investitionen könnten der Spezies einer konkurrenzfähigen, britischen Industrieproduktion ein Ende bereiten. 

Doch es kommt noch schlimmer.  Der oberste britische Brexit-Verhandler, David Davies, verabschiedete sich bereits aus der Verantwortung, ebenso Boris Johnson, einer der Wortführer der Brexiteers. Die „special relationship“ zwischen dem Königreich und den USA wird dem öffentlichen Hohn mit einer in luftiger Höhe schwebenden Karikatur von Donald Trump preisgegeben, und die deutsche Kanzlerin sitzt auf einer Koalitionszeitbombe. 

Bei all dem würden auch keine bei Minus 369 Grad Celsius gefrorenen Blastozyten aus Brüssel, London oder Berlin helfen, den Brexit künstlich zu befruchten. Kurz, die Sache spitzt sich rasant zu, und die Überlebenschancen der nördlichen Breitmaulnashörner und der Brexiteers sinken.  So bleibt am Schluss noch die Hoffnung auf den WM-Fussballtitel: England wird Weltmeister...aber vielleicht ohne Regierung? 

Ronald Blairstone, Sussex

Datenschutz BCCG Website, s. www.bccg.de/Datenschutz
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Montag, 21. Mai 2018

BCCG Kolumne - Von Meghan lernen

Es war ein Feuerwerk der brillantesten Sketchschreiber des Königreiches im Endspurt vor DER Hochzeit. Die bitterböse Channel4 Comedy The Windsors https://youtu.be/ubvmfwgi0Ng  ließ keinen noch so unappetitlichen Joke einer völlig dementen Königsfamilie aus. Die FT am 19.Mai spulte sich sogar noch über die hohen Toilettenkosten (£ 20 000) für die 2 800 Gäste vor dem Windsor Castle auf.

Aber dann kam alles anders als antizipiert. Der Grund war ein amerikanischer Bischof, Michael Curry.  Aber wer ist dieser Mann?   Diese Frage zu beantworten bemühten sich alle TV Kommentatoren noch bevor sie gestellt wurde. Die Ratlosigkeit einiger Gäste in St. Georges Chapel war dafür Ausschlag. Obwohl im Protokoll nachzulesen, ging es hier nicht um Fakten, denn der von Prinz Harry and Prinzessin Meghan zur Hochzeit eingeladene Reverend und amerikanische Bischof war lang genug angekündigt.  Es war seine Predigt, die mehr eine nachdenkliche Rede war, die für Erstaunen sorgte. Fiel sie doch aus dem gewohnt gesetzten Rahmen der Church of England.

Plötzlich sprach hier ein Gottesmann von Sklaverei, Liebe, die Macht der Liebe und u.a. Martin Luther King.  Es ging um das gegenseitige Verstehen, um Herrschaftsgeschichte und die Überwindung von Machstrukturen.  Ohne Frage wusste der Mann wovon er redet, schließlich stammt Meghan Markle aus seiner Familie von ehemaligen Sklaven.  Der Bischof schaffte was vor der Zeremonie kaum einer für möglich hielt: Er vermittelte eine Botschaft und erheiterte die Kirchenbesucher, führte sie zusammen ohne Multikulti-Gerede, ohne erhobenen Zeigefinger.

So wurde die Hochzeit zu einem Wendepunkt für das Königreich und seine Bewohner, obwohl Prinz Phillip garstig dreinschaute und Camilla alle Schalter im Kopf eingeschaltet hatte, aber trotzdem kein Licht erkennbar war.

Doch was macht den point of no return deutlich?  Das Koenigshaus verliess, eher ohne eigenes dazutun, das 20. Jahrhundert. Meghan steht, vielleicht nur wie Diana in ihren letzten Jahren, für "the most important influencer“ des royalen Betriebs. Style, Humor und Modernität eines neuen Anfangs.

Mögen die britischen Politikmandarine bei den EU Brexit Verhandlungen etwas davon lernen.  Für die Königsfamilie und das gesamte Land wurden mit der Hochzeit neue Maßstabe und Aufgaben gesetzt.

George Winterfield
BCCG.de

Montag, 16. April 2018

BCCG Pressemitteilung



Studie zum Brexit: Deutsche Wirtschaftsunternehmen rechnen mit hartem Brexit, die Bevölkerung erwartet hingegen weichen Brexit

·       43 Prozent der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG rechnen mit einem Bedeutungsverlust der EU nach dem Brexit – unter der deutschen Bevölkerung glauben dies nur 27 Prozent
·       73 Prozent der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG erwarten Schäden für die deutsche Wirtschaft
·       Spannende Podiumsdiskussion: Ohne jeden Zweifel wird der BREXIT stattfinden. Es geht um Kompromisse, nicht Rosinenpickerei. Beide Seiten wissen:  es gibt eine Zeit nach den BREXIT, in der werden wir wieder aufeinander angewiesen sein. Das sollte allen deutlich vor Augen stehen. Es wird jeder Federn lassen. Natürlich muss sich die Wirtschaft auf potentielle negative Folgen vorbereiten. Aber auch dabei gilt der Blick nach vorne.
Less than one year to go: Der Brexit-Countdown läuft! Doch im gleichen Maß wie es immer weniger Tage bis zum 29. März 2019 sind, steigt die Zahl der Fragen im Zusammenhang mit dem EU-Austritt der Briten und die Details, die geregelt werden müssen, immer weiter. Fakt ist: Die Brexit-Gespräche werden alle beschäftigen: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – und die Einschätzungen zum Brexit weichen stark voneinander ab. Die britische Regierung ist allein aus innenpolitischen Gründen nicht dazu in der Lage, konkretere Vorschläge für die künftigen Beziehungen zu machen. Was tun?  Die EU muss, wie die Briten auch, flexibel auf das reagieren was zur Verhandlung steht. Daher ist eine andere Verhandlungsführung der EU, mit Unterstützung der Wirtschaft und eigenen Vorschlägen notwendig, um potentielle Schäden für die politischen und Wirtschafts-Beziehungen zu minimieren.
Das zeigen auch die Ergebnisse der aktuellen Studie zum Brexit. Ein Kernergebnis: Die Sicht der deutschen Bevölkerung und der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG auf die Frage „Rechnen Sie mit einem weichen oder harten Brexit?“ unterscheiden sich stark voneinander. Rechnen die Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG mehrheitlich (55 %) mit einem hartem Brexit (weicher Brexit 40 %; Rest keine Angabe), erwartet über die Hälfte der deutschen Bevölkerung (53 %) hingegen einen weichen Brexit (harter Brexit: 38 %; Rest keine Angabe). Die Studie wurde auf der Veranstaltung „Brexit – Mehr Fragen als Antworten“ von forsa, KPMG AG, OMFIF, BCCG und Open Europe Berlin am 11. April vorgestellt.

Deutsche Bevölkerung viel entspannter als die Wirtschaft
Die unterschiedliche Wahrnehmung zeigt sich auch bei der Sicht auf die Folgen des Brexits: 73 Prozent der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG gehen davon aus, dass der Austritt Großbritanniens der Wirtschaft in Deutschland schaden wird. Nur jeweils 13 Prozent erwarten keinen oder sogar einen positiven Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Unter der Bevölkerung in Deutschland erwarten dagegen nur 33 Prozent negative Folgen für die deutsche Wirtschaft – 15 Prozent gehen von positiven und 41 Prozent von keinen Folgen aus. Die Sicht der Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der BCCG auf die Folgen des Brexits ist insofern besonders relevant, da 52 Prozent der befragten Unternehmen angeben, dass die Geschäftstätigkeit ihres Unternehmens mit bzw. in Großbritannien in den letzten fünf Jahren gestiegen ist.
Deutsche Wirtschaft sieht Bedeutungsverlust für die EU
Mit Großbritannien verlässt zum ersten Mal in der Geschichte der EU ein Land das Staatenbündnis. Mit dem Blick auf die Frage „Was bedeutet das für den Einfluss und die Bedeutung der EU?“ rechnen unter den Bundesbürgern insgesamt 27 Prozent damit, dass die EU ohne Großbritannien künftig an Einfluss und Bedeutung verlieren wird. Unter den Wirtschaftsvertretern und Mitgliedern der BCCG gehen sogar 43 Prozent von einem Bedeutungsverlust der EU ohne Großbritannien aus.

Ansprechpartner

Für KPMG: Oliver Dörfler, Country Practice Head UK,
odoerfler@kpmg.com

Für forsa: Dr. Peter Matuschek, Leiter Politik und Sozialforschung,
peter.matuschek@forsa.de

Für Open Europe Berlin: Prof. Michael Wohlgemuth, Direktor,
michael@openeuropeberlin.de

Für British Chamber of Commerce in Germany (BCCG e.V.): Andreas Meyer-Schwickerath, Direktor and Mitglied des Vorstands
, info@bccg.de

    

Prominente Gegner und Befürworter des Brexits diskutieren Chancen und Risiken auf Berliner Konferenz
Der Brexit und seine Folgen für Europa und die deutsche Wirtschaft war auch ein zentrales Thema der Veranstaltung „Brexit – Mehr Fragen als Antworten“ am 11. April. Und das Interesse daran war groß: Vor über 60 Gästen sprachen der ehemalige britische Außenminister und Brexit-Befürworter Lord David Owen sowie Sir Ivan Rogers, ehemaliger EU-Botschafter des Vereinigten Königreichs und bekennender Brexit-Gegner, über den Austritt der Briten. Während Lord Owen die immense Bedeutung des britischen Marktes für die deutsche Wirtschaft hervorhob, verband Sir Ivan Rogers seine Forderung an die EU-Verhandlungsführer, mehr auf England zuzugehen, mit der Warnung an die englische Regierung, dass die Verhandlungen mit der EU in jedem Fall noch Jahre dauern werden.
Im Zentrum der Podiumsdiskussion mit prominenten Vertretern aus Wirtschaft und Fernsehen standen ebenfalls die Auswirkungen des Brexits für Europa und die deutsche Wirtschaft. Die Kernaussagen:
„Die grundsätzlichen Einstellungen der Deutschen zum Brexit haben sich in den letzten beiden Jahren trotz der schwierigen Verhandlungen nicht verändert:  Wie 2016 bedauert eine Mehrheit unverändert den beschlossenen Austritt der Briten, und eine noch größere Mehrheit steht unverändert fest zur Mitgliedschaft Deutschlands in der Europäischen Union.“
Dr. Peter Matuschek, Leiter Politik- und Sozialforschung, forsa GmbH
„Die deutsche Politik muss noch stärker als bisher die Interessen der deutschen Wirtschaft vertreten.  Handel und Investitionen zwischen Deutschland und UK sind nachhaltig bedroht.  Deutsche Firmen planen auf jeden Fall für den schlimmsten anzunehmenden Fall, den „Hard Brexit“, hoffen aber für das Beste.“
Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business, KPMG AG
„Politik muss sich stärker engagieren und darf es nicht der EU Kommission alleine überlassen, hier Vorschläge zu machen. Die wichtigen Partner in der EU, dazu gehören auch die Wirtschaftsvereinigungen und Verbände wie die BCCG, müssen und werden sich über die Ziele zu den künftigen Handels- und politischen Beziehungen einigen, pragmatische Kompromissvorschläge machen.  Es geht um unser aller Zukunft.“
Michael Schmidt, Präsident, BCCG e.V.


Über die Studie:
Für die Studie wurden insgesamt 1.021, nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte, Bürger ab 18 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland befragt.
Die Erhebung wurde vom 8. bis 15. März 2018 mit Hilfe computergestützter Telefoninterviews durchgeführt. Die Untersuchungsbefunde werden in einem Ergebnisbericht vorgestellt.
Die ermittelten Ergebnisse können lediglich mit den bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/- 3 Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übertragen werden.
Parallel zur repräsentativen Bevölkerungsbefragung in Deutschland wurde auch ein Stimmungsbild unter Mitgliedern bzw. Partnern der British Chamber of Commerce in Germany ermittelt. Dazu wurden im Rahmen einer Online-Befragung zwischen dem 5. und 26. März 2018 insgesamt 255 Mitglieder bzw. Partner der BCCG befragt.


Montag, 9. April 2018

BCCG Satirische Kolumne Brexit Tagebuch: Königreich im BREXIT - Zuckerschock?


Königreich im BREXIT - Zuckerschock?

Am 6. April dieses Jahres war‘s dann soweit: Schluss mit Lustig und Süß. Der Fettleibigkeit und Diabetes, sowie den damit verbundenen verheerenden Wirkungen, wurde der Kampf im Königreich angesagt.  Eine neue Zuckersteuer auf Soft Drinks trat in Großbritannien in Kraft.  Die schlimmen Effekte übermäßigen Zuckerkonsums kosten dem Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) geschätzte £ 6,1 Mrd. jährlich.  Mehr als 8 Gramm Zucker pro Liter Getränk werden nun mit zusätzlich bis 24 Pence auf den Verkaufspreis der Zuckerwasser bestraft.  Außerdem, das weiß jeder der einmal Urlaub in Wales machte, bewirkt der übermäßige Zuckergenuss plus fehlender Zahnarztbehandlung unschöne Menschen und Mäuler.

Aber Briten reagieren empfindlich auf Steuererhöhungen oder gar auf die Neueinführung von Steuern.  Allein die Drohung mit der Zuckersteuer sorgte bereits im Vorfeld für Unruhe. Schon in den vergangenen 4 Wochen vor dem April Termin wurden auffällig viele PKW vor Supermärkten mit hunderten von Cola- und Ribena-Flaschen beladen.  Die Gefahr bald mit weniger Zucker und gute Laune zu haben wurde zu Recht hoch eingeschätzt.  Ebenfalls bemerkenswert waren die auf diesen Fahrzeugen angebrachten Aufkleber: BREXIT-YES, oder EUROPE – get off.  Das kann aber ein Zufall gewesen sein, denn natürlich gibt es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und BREXIT. Oder doch? 

Dem Kolumnisten dieser Zeilen fiel auf, das zeitgleich mit der neuen Zuckersteuer das sog. „Arab Atheist Network“ die Nachricht einer angeblich sensationellen Entdeckung verbreitete.  Die dort gemachte Aussage im Kern: Königin Elisabeth II sei in der Erbfolge im 14 Jh. mit Fatima, der Tochter des moslemischen Propheten, in Spanien verwandt.  Der Economist reagierte rasch, fragte, ob die Queen eine Kalifen Königin, Elisabeth of the Al Windsor clan, ist.
Ist das vielleicht auch eine Erklärung für das gesteigerte Interesse am Islam von Prinz Charles (bin Philip)?  Schwer zu sagen.  Aber es wurde der Verdacht geäußert, das sowohl im Königshaus, wie auch in arabischen Kreisen, übermäßig viel Zucker bei den Mahlzeiten zum Einsatz kommt.

George Winterfield
BCCG.de

Freitag, 9. März 2018

BCCG Kolumne Brexit Tagebuch - The Shape of Brexit




The Shape of Brexit

Hätte nicht gerade erst Liam Fox, International Trade Secretary - von The Telegraph wird Fox  „Brexit poster boy“ genannt - die immensen Vorteile eines EU Austritts gelobt, wären diese Zeilen kaum notwendig. Aber weil er das tat und außerdem die Oscar-Verleihung gerade stattfand, sollen hier einige Worte zu beiden Ereignissen verloren werden. Denn der Zusammenhang zwischen dem Brexit und dem als besten Film ausgezeichneten Shape of Water ist offensichtlich.

Die Handlung von Shape of Water ist einfach und romantisch-banal. Ein puddingartiges Gewächs aus teuflischen Chemielaboratorien verliebt sich in die Putzfrau der industriellen Anlage. Die Engländerin Sally Hawkins aus dem kleinen London Vorort Dulwich spielt die Reinigungskraft.  Um sie herum geistern zahlreiche septische Wissenschaftler und viel Hightech. Sally aber erkennt gemeinsam mit dem Monster, was wirklich zählt:  einzig die Liebe.  Ohne jede Frage ist der Film eine Metapher auf den Brexit.

Liam Fox ist ein Bürokrat. Seine Schilderungen vom EU befreiten Königreich nach dem Brexit wecken Schlaraffenland-Illusionen. Keine Gängelung mehr durch Brüssel, der Weltmarkt wartet nur auf die britischen Offerten des Finanzmarktes, die Wissenschaften blühen, die Welt hofft also auf einen entfesselten und boomenden britischen Kapitalismus und Handel, der gemeinsam mit China die Weichen eines stetig prosperierenden Wachstums voran bringt.  Tatsächlich aber fragt auch diese Kolumne, in welchem Land lebt Dr. Fox, welches Land meint er?

Nehmen wir nun einmal an, Sally Hawkins repräsentiert im Film Theresa May und nehmen wir weiter  an, Dr. Fox spiegelt die Meinung und Gemütslage von Frau May, dann bleibt für den außenstehenden Beobachter nur die folgende Schlussfolgerung möglich:  Großbritannien muss raus aus der EU! Nur so wird dem britischen Volk Glück und Wohlstand möglich sein.

Aber der Oscar ausgezeichnete Film macht es uns nicht so einfach. Denn wollen wir nicht alle ein friedliches und humanes Zusammenleben, eben nicht nur als Beobachter, sondern aktive Mitspieler? 

Auch das hat Hollywood bedacht und zeichnete zwei weitere Referenzpunkte britischer Geschichte aus: Winston Churchill mit dem grandiosen Gary Oldman und Dunkirk, beides britische Dauerthemen. Letztgenannter Film stellt die mutige Evakuierung des Expeditionskorps vor den Nazifeinden dar.  Beide  Produktionen verweisen darauf, dass das Ende der Fahnenstange beim Brexit noch nicht erreicht ist. Mut und Courage, siehe Churchill, können eine scheinbar besiegelte Niederlage in einen Sieg verwandeln.  Und damit, so meint dieser Kolumnist,  schließt sich der Kreis zu dem Hollywood Film: Three Billbords Outside Ebbing.  Hier zeigt sich,  was eine Frau - eben keine Theresa May - erreichen kann, wenn sie bereit ist, das Schicksal mit Mut und Kraft in die eigenen Hände zu nehmen.  Dieser Film war leider keine britische Produktion. Das darf man positiv vermerken.

George Winterfield

BCCG.de